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Okt
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Städtepartnerschaftliches Treffen in Verdun

Aus Anlass des Gedenkens an das Ende des 1. Weltkrieges vor 100 Jahren trafen sich Anfang Oktober zwei große Delegationen der Partnerstädte Saint-Cyr-l’Ecole und Butzbach in Verdun am Beinhaus „ossuaire“ in Douaumont.

Kaum eine Schlacht steht so sehr für die Schrecken des 1. Weltkrieges wie die Schlacht um Verdun. Sie wütete von Februar bis Dezember 1916. Nie wieder starben so viele Soldaten auf so engem Raum. Der Wahnsinn des „grande guerre“ wie ihn die Franzosen nennen, endete am 11. November 1918. Bis heute ist der 11. November in Frankreich der Gedenktag für die Gefallenen des 1. Weltkrieges.

In einer feierlichen Zeremonie, begleitet von Klängen der französischen Kapelle der Saint Cyrienne, legten beide Delegationen im Ossuiare de Douaumont Kränze für die verstorbenen französischen und deutschen Soldaten nieder. Landtagspräsident Norbert Kartmann, Schirmherr des partnerschaftlichen Wochenendes, würdigte die Begegnung der Vertreter der beiden verschwisterten Städte als ein bedeutendes Ereignis bei dem sich die Beteiligten stellvertretend für Ihre Völker versammelten hätten. Letztlich sei es der 2. Weltkrieg, der den nationalistischen Prägungen der meisten europäischen Staaten den Boden entzogen hätte und europäischem Denken zum Durchbruch verholfen habe. Schon Aristide Briand und Gustav Stresemann hätten eine europäische Union als gesamteuropäische Idee zwischen den Kriegen vertreten, aber erst nach dem totalen Zusammenbruch 1945 habe das gemeinsame Europa Wirklichkeit werden können. Der Elysée-Vertrag von 1963 habe dann den Grundstein für ein festes Band zwischen Frankreich und Deutschland gelegt. Kartmann erinnerte auch an das Bild Mitterands und Kohls 1984 Hand in Hand, als Bild eines unverbrüchlichen Symbols der deutsch-französische Freundschaft. Für den aufkeimenden Nationalismus in vielen Ländern Europas gebe es nur eine einzige Antwort: Nein. Der Jugendstadtrat aus Saint-Cyr verlas den Brief eines Soldaten, der vom Weihnachtsfest in den Schützengräben berichtete und auch die Schüler der Geschichtsreisen AG der IGS Schrenzerschule verlasen eine Grußbotschaft.

Die ca. 120 Teilnehmer an diesem Treffen hatten Gelegenheit das 137 m lange Beinhaus, das im Innern über und über mit Gedenktafeln verstorbener Soldaten ausgestattet ist, wie auch die sterblichen Überreste der ca. 130 000 unbekannten Soldaten im Untergeschoss des Beinhauses und den immens großen Friedhof sowie die Schützengräben zu besichtigen. Das Elend und den Schmerz, den dieser apokalyptische Krieg hinterlassen hat, ist durch das Erleben in Verdun konkret geworden. Der große Bogen konnte am Sonntag mit der Multivision „Verdun, der 1. Weltkrieg und due Friedensbotschaft von Fiquelmont“ gespannt werden.

Bild: Rüdiger Fanslau - Die Delegationen der Städte Saint-Cyr-l’Ecole und Butzbach ziehen unter den Klängen des Orchesters der Saint-Cyrienne zum Beinhaus in Douaumont. Die Fahnenträger der deutschen Fahne und der Stadtfahne von Butzbach sind Schüler der Geschichtsreisen AG der Schrenzerschule, die es sich nicht nehmen ließen auch in den Ferien von diesem Reiseangebot der Stadt gebraucht zu machen.

Bild: Rüdiger Fanslau - Zu einer Schweigeminute vor der Gedenktafel zum Besuch des Staatspräsidenten Mitterand und Bundeskanzler Kohl 1984 und mit Blick über den Gräbern der Soldaten trafen sich beide Delegationen: In der Bildmitte (v.l.n.r.) Landtagspräsident Norbert Kartmann, Bürgermeister Michael Merle, Stadtrat Christoph Jung und Bürgermeister Bernard Debain.

Bild: Rüdiger Fanslau - Blick über den Soldatenfriedhof zum Beinhaus von Douaumont.